24./25./26. Februar 
14 bis 22 Uhr 
Öffentliche Präsentation im Schaufenster und als begehbare Installation im Theaterraum 
Eintritt frei 

Polymer DMT/Fang Yun Lo (TW/D), Tobias Rosenberger (D/CN), Patrik Zosso (CH), Verena Brakonier (D) 

„... es ist, als gehöre die menschliche Spezies eben nicht mehr zur Gattung der Säugetiere, sondern beginne sich in ein Schaltier zu verwandeln - es kann so aussehen, als ob die Apparate, von denen wir überall umgeben sind, ebenso unvermeidlich zum Menschen gehören wie das Schneckenhaus zur Schnecke oder das Netz zur Spinne“. 
Hannah Arendt, Vita Activa, 1958 

Im Jahre 1958 vermutete Hannah Arendt in ihrem Text Vita Activa, die Menschen würden sich in naher Zukunft „in eine Art Schaltier“ verwandeln, umgeben von Technologie, die zum selbstverständlichen Bestandteil des Körpers geworden sei, wie das Haus einer Schnecke das Netz einer Spinne. 
Ähnliches prophezeite Marshal McLuhan, indem er 1964 von den „extensions of man“ sprach, den technologischen Medien, die zur Erweiterung des Menschen dienen würden. 

Diese von Arendt und McLuhan vor mehr als 50 Jahren vermutete Zukunft ist jetzt. Spätestens mit dem Aufbau von sozialen Netzwerken, mit der Entwicklung der mobilen Medientechnologie und der berührungsfreien Steuerungssenorik ist Technik kaum mehr als solche zu erkennen. Sie ist nicht mehr die stählerne, erbarmungslose Maschine, die die Arbeiter in ihren Takt zwingt. 
Die neue Technologie ist statt dessen Bestandteil des menschlichen Körpers selbst. Mobiltelefone verstehen Kommandos, Lichtschalter und Computerspiele reagieren auf Gesten, Mikrofone und Sensoren schmiegen sich unsichtbar in Kleidung und Taschen. Darum spannen Suchmaschinen und Informationsdienste eine komplexe, angereicherte virtuelle Welt auf, in der prinzipiell alles zugänglich erscheint. 
Diese neue Technologie macht sich so selbst unsichtbar, sie verschwindet im Körper und der näheren Umwelt, sie wird ein nicht mehr getrennt wahrgenommener Teil unserer selbst, eine „extension of man“. 
Damit verändert sich auch der Mensch selbst. Der Körper und seine Bewegung verändern sich vom direkten Einsatz von Kraft hin zur einer Informationsquelle. Bewegung wird zur Geste, und Gesten sind Informations- und Datenquellen. 

Was, wenn der Mensch vollends zum Arendt‘schen Schalentier geworden ist? Was, wenn er umgeben ist von seinen Extensions, die zwar keine echte Bewegung, wohl aber Myriaden an potentiellen Bewegungen erlauben? Ist das Echte überhaupt erstrebenswert, ist es überhaupt echt? 

In unserem Installationsaufbau in der Fleetstreet Hamburg versuchen wir, diese alten Gedankenspiele von der „Realität“ kritisch-ironisch neu zu erfinden. Es ist ein begehbares Solo für einen „virtuellen“ Raum, eine eigene kleine, absurd-mediale Welt. 


Fang Yun Lo ist Choreografin und Performerin aus Taiwan, lebt seit vielen Jahren in Essen und arbeitet unter dem Label Polymer DMT an interdisziplinären Kunstprojekten. 
www.polymerdmt.com 

Tobias Rosenberger ist Medienkünstler und Programmierer, lebt in Shanghai/VR China und arbeitet international vor allem in Installations- und Ausstellungsformaten. 
www.tobiasrosenberger.de 

Patrik Zosso ist Musiker, lebt in Luzern/Schweiz, und arbeitet als Schlagzeuger, Produzent und Komponist elektronischer Musik unter anderem mit der Band Ingrid Lukas. 

Verena Brakonier lebt in Hamburg und ist Performerin und Choreografin, unter anderem 2014 als Residentin bei K3 Zentrum für Choreographie / Tanzplan Hamburg auf Kampnagel.

Gefördert von Fleetstreet e. V., der Hamburgischen Kulturbehörde, der Hamburgischen Kulturstiftung sowie der Rudolf Augstein Stiftung.

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